»Liebe für den zweiten Blick« kann unter anderem bedeuten

nicht bei dem, was offenkundig als Evidenz der Fall zu sein scheint, stehen zu bleiben,
sondern auch Neugier für das, was hinter der Konstruktion von Fakten steckt, zu entwickeln

nicht naiv die selbstverständlichen Begriffe der Lebenswelt als Maß der Dinge zu nehmen,
sondern darüber hinaus deren theoretischen Bedingungen zu sehen

nicht automatisch alle Anforderungen des Alltags zu akzeptieren,
sondern außerdem die Kreativität zu nutzen, um Neues in die Welt zu bringen

nicht nur pragmatisch Effektivität und Effizienz zu optimieren,
sondern daneben Perfektion im Detail der Form anzustreben

nicht bloß Vernunft und Urteilskraft zu pflegen,
sondern ebenso selbstkritischen Hausverstand einzusetzen

... 

  

»SOZIOLOGIE IST NUN ABER NICHT DIE LEHRE VOM ERSTEN BLICK,
SONDERN DIE LEHRE VOM ZWEITEN BLICK.
UND AUF DEN ZWEITEN BLICK KOMMEN FRAGEN UND BEDENKEN HOCH.«

(Niklas Luhmann, »Unverständliche Wissenschaft«,
in: Ders., Soziologische Aufklärung 3, 1981)

 

 

 

 

Austrian Social Business Day, FH Campus Wien, 23./24. März 2011